- 22.09.2026
Deutscher Apothekertag 2026: Klare Signale für die Zukunft der Apotheken
Mehr als 300 Delegierte aus 17 Apothekerkammern und 17 Apothekerverbänden kamen vom 15. bis 17. September 2026 in München zum Deutschen Apothekertag (DAT) zusammen. Sie berieten über die Zukunft des Berufsstands und stimmten zahlreichen Anträgen zu. Mitten drin: Vorstandsmitglieder und Delegierte der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg.
ABDA-Präsident Thomas Preis bezeichnete den DAT zum Abschluss als „Apothekertag des Aufbruchs“. Die im Frühjahr verabschiedete Apothekenreform eröffne neue Möglichkeiten. Dazu gehören zusätzliche Aufgaben bei Impfungen, Testungen, Beratung und Arzneimittelabgabe.
Carsten Linnemann setzt sich für Apotheken ein
Der erst kürzlich vereidigte Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann stellte sich bei der Eröffnung des DAT hinter eine stärkere Rolle der Apotheken. Er sprach sich dafür aus, Apotheken künftig enger in die Primärversorgung einzubinden und versicherte ihnen seinen Rückhalt.
Apotheken könnten Patientinnen und Patienten niedrigschwellig erreichen und damit einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung leisten. Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Apotheken sprach Linnemann an. „Der Bundesgesundheitsminister hat erkannt, dass Apotheken wertschöpfende Organisationen sind und einen großen Beitrag zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung leisten – und dieser Beitrag muss entsprechend honoriert werden“, erklärt LAK-Präsident Dr. Martin Braun.
Gleich lange Spieße: Besonders ging es um den Wettbewerb zwischen Apotheken vor Ort und ausländischen Versandhändlern. Linnemann kündigte an, sich für faire Wettbewerbsbedingungen einsetzen zu wollen.
Medizinalcannabis: Linnemann kündigt strengere Regeln an
Auch Medizinalcannabis stand beim DAT im Mittelpunkt. Linnemann kündigte strengere Regeln für die Verschreibung und Abgabe von Cannabisblüten an.
Es sei unverantwortlich, dass Patientinnen und Patienten Cannabisblüten für medizinische Zwecke ohne einen persönlichen Kontakt mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt erhalten können – und so eben auch für den privaten Konsum missbrauchen können. Linnemann verwies hier auf die stark gestiegenen Importe von Medizinalcannabisblüten. Nach Angaben aus seinem Ministerium könnten sie noch dieses Jahr rund 300 Tonnen erreichen. Damit hat sich die Menge seit der Legalisierung in 2024 verzehnfacht.
Rx-Versandverbot: DAT hält an seiner Forderung fest
Beim Rx-Versandhandel setzte der DAT ein klares berufspolitisches Signal. Die Hauptversammlung sprach sich dafür aus, weiter für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln nach Deutschland einzutreten.
Der Leitantrag des Apothekerverbands Nordrhein und der Landesapothekerkammer Hessen fordert die Bundesregierung und den Bundesgesetzgeber auf, den Rx-Versandhandel an Patientinnen und Patienten in Deutschland zu verbieten. Ziel ist eine flächendeckende Versorgung durch Apotheken vor Ort.
In der Debatte wurden allerdings auch die rechtlichen und politischen Hürden deutlich. Kritische Stimmen verwiesen darauf, dass die Apothekerschaft seit vielen Jahren ein Versandverbot fordert, ohne dass es bisher umgesetzt wurde. Damit bleibt der Rx-Versandhandel ein zentraler Streitpunkt in der Gesundheitspolitik. Der DAT hat seine Position dazu nun erneut bekräftigt.
Dringlichkeitsantrag: Rezepturen für Praxis- und Sprechstundenbedarf
Nach einer aktuellen Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts dürfen Rezepturarzneimittel grundsätzlich nur noch auf Grundlage einer patientenindividuellen Verschreibung hergestellt werden. Diese Entscheidung hat Konsequenzen auf zahlreiche Rezepturen und Defekturen, die bislang auf Praxisbedarfsverordnungen hergestellt und abgegeben werden. In einem Dringlichkeitsantrag wurde jetzt gefordert: Öffentliche Apotheken und Krankenhausapotheken sollen Arzneimittel für den Praxis- und Sprechstundenbedarf wieder rechtssicher herstellen, abgeben und abrechnen können.
Sicher versorgt – auch in Krisenzeiten
Auch die Krisenresilienz der Arzneimittelversorgung spielte beim Deutschen Apothekertag eine wichtige Rolle. Die Delegierten betonten, dass Apotheken auch in Krisen und Notlagen handlungsfähig bleiben müssen.
Pandemien, Naturkatastrophen, Cyberangriffe oder andere Krisen können Lieferketten und die Gesundheitsversorgung schnell unter Druck setzen. Apotheken übernehmen in solchen Situationen eine wichtige Funktion. Sie sichern die Arzneimittelversorgung vor Ort, beraten Patientinnen und Patienten und müssen auf Engpässe flexibel reagieren können. Der Berufsstand fordert deshalb verlässliche Strukturen für den Krisenfall.
Resolution: Apothekertag bekennt sich zu Vielfalt und Demokratie
Der DAT setzte neben den gesundheitspolitischen Themen auch ein gesellschaftliches Zeichen. Die Hauptversammlung verabschiedete eine Resolution für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft.
Die Delegierten betonten darin die besondere Verantwortung des Apothekerberufs für die Würde und Gesundheit der Menschen. Apotheken seien Orte der Gesundheitsversorgung für alle Menschen. So stellt die Resolution Respekt, Offenheit und fachliche Verantwortung in den Mittelpunkt. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen und zunehmender Polarisierung will der Berufsstand Apotheken als Orte des Vertrauens und der Begegnung stärken.
Apotheken wollen mehr Verantwortung übernehmen
Der Deutsche Apothekertag 2026 sendet damit mehrere Signale: für eine sichere Arzneimittelversorgung, für die wohnortnahe Apotheke, für neue Aufgaben in der Primärversorgung und für einen vielfältigen und demokratischen Berufsstand.